{"id":14788,"date":"2025-06-03T12:05:20","date_gmt":"2025-06-03T10:05:20","guid":{"rendered":"https:\/\/sigmund-freud-institut.de\/?page_id=14788"},"modified":"2026-03-18T12:16:22","modified_gmt":"2026-03-18T11:16:22","slug":"nachruf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sigmund-freud-institut.de\/index.php\/nachruf\/","title":{"rendered":"Nachruf"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachruf auf Dr. med. Ingrid Kerz-R\u00fchling<\/strong><br><strong>(27.04.1941 \u2013 04.03.2026)<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Am 4. M\u00e4rz 2026 verstarb unsere sehr gesch\u00e4tzte Kollegin Dr. Ingrid Kerz-R\u00fchling, die von 1977-2006 wissenschaftliches Mitglied des Sigmund-Freud-Instituts war und dort ab 1986 bis zu ihrem Ausscheiden die Ambulanz des Instituts leitete. Ab 1995 war sie auch Mitglied, Dozentin und Lehranalytikerin im neu gegr\u00fcndeten Frankfurter Psychoanalytischen Institut. Ferner war sie von 1985-2008 Mitglied der Weiterbildungsgemeinschaft f\u00fcr den Zusatztitel Psychoanalyse der Landes\u00e4rztekammer Hessen und von 1988-2006 Mitglied der Deutschen und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Und \u00fcber lange Jahre war sie Mitglied der Sigmund-Freud-Stiftung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kassel geboren machte sie dort ihr Abitur, um dann in Frankfurt Medizin zu studieren, was sie 1967 mit dem Staatsexamen abschloss. 1968 promovierte sie an der medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Frankfurt, war anschlie\u00dfend f\u00fcr ein halbes Jahr am Max-Planck-Institut f\u00fcr Psychiatrie in M\u00fcnchen (1970), bevor sie an der Universit\u00e4tsklinik in Frankfurt ihre Facharztweiterbildung begann (1970-1976). Gleichzeitig begab sie sich in psychoanalytische Weiterbildung am SFI (1971-1978), damals noch ein Ausbildungsinstitut der DPV. Ab 1977 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am SFI, das zu der Zeit von Mitscherlichs Nachfolger Hermann Argelander geleitet wurde. Von 1984-1988 absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Gruppenanalytikerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Dozentin und sp\u00e4ter als Ausbildungsleiterin am SFI hat sie sich sehr um die noch im Neuaufbau befindliche Psychoanalyse durch die Entwicklung eines Curriculums, durch ihre Lehrt\u00e4tigkeit und klinisch als Lehranalytikerin verdient gemacht. Aus ihren klinischen Ver\u00f6ffentlichungen sind besonders die \u00fcber Herzinfarkt, Zwangsneurose und Folie \u00e0 deux hervorzuheben, ebenso die \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von &#8222;Psychoanalyse und Unterschicht&#8220;. Ihre Beitr\u00e4ge in der Auseinandersetzung um den wissenschaftlichen Status der Psychoanalyse durchzieht wie ein roter Faden ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine empirisch orientierte Psychoanalyse, welches sich gegen deren hermeneutische Fassung aussprach. Sie trat entschieden daf\u00fcr ein, Freuds naturwissenschaftlichen Anspruch auf ein kausales Erkl\u00e4ren klinisch und wissenschaftlich einzul\u00f6sen. Gegen die reine Sinnkonstitution einer Lebensgeschichte vertrat sie deren kausale Erkl\u00e4rung i. S. einer objektiven Wahrheit. Nach 1989 bzw. der deutschen Wiedervereinigung wandte sie sich wissenschaftlich den psychischen Folgen der Diktatur zu, untersuchte die Motive inoffizieller Mitarbeiter der Stasi, die p\u00e4dagogische Ausrichtung von Lehrern in der DDR und in Tschechien (zusammen mit Tomas Pl\u00e4nkers), sowie die Krippenerziehung in der DDR (zusammen mit Agathe Israel). In zahlreichen Fachbeitr\u00e4gen f\u00fcr renommierte psychoanalytische Zeitschriften, in B\u00fcchern und Vortr\u00e4gen machte sie die Ergebnisse ihrer Forschungen publik.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrem Ausscheiden aus dem SFI engagierte sie sich im \u201eVerein gegen das Vergessen\u201c \u2013 ein Netzwerk, das sich seit 1993 f\u00fcr Demokratie und gegen Extremismus einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch ihren 20 Jahre zur\u00fcckliegenden Abschied aus dem SFI und FPI ist sie der j\u00fcngeren Generation in beiden Instituten nur wenig bekannt. Dennoch gibt es zahlreiche \u00e4ltere Kolleg*innen, die noch lebhafte Erinnerungen an Ingrid Kerz-R\u00fchling haben. Die gegenw\u00e4rtigen und ehemaligen Mitglieder des Sigmund-Freud-Instituts trauern um ihr ehemaliges, wissenschaftlich so aktives Mitglied.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>Tomas Pl\u00e4nkers und das Direktorium des SFI<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf auf Dr. med. 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