{"id":15895,"date":"2026-02-16T10:17:05","date_gmt":"2026-02-16T09:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/sigmund-freud-institut.de\/?page_id=15895"},"modified":"2026-02-16T10:17:05","modified_gmt":"2026-02-16T09:17:05","slug":"prof-dr-phil-dr-rer-pol-rolf-haubl-01-07-1951-24-05-2025","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sigmund-freud-institut.de\/index.php\/prof-dr-phil-dr-rer-pol-rolf-haubl-01-07-1951-24-05-2025\/","title":{"rendered":"Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Rolf Haubl (01.07.1951 \u2013 24.05.2025)"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 24. Mai 2025 starb Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl nach langer, schwerer Krankheit. Er leitete vom 01. Dezember 2002 bis zum 29. Februar 2016 als Co-Direktor gemeinsam mit Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber das Sigmund-Freud-Institut (SFI) und war dort zugleich Leiter des sozialpsychologischen Forschungsbereichs. W\u00e4hrend dieser Zeit als Direktor des SFI hatte Rolf Haubl die Professur f\u00fcr Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie am Institut f\u00fcr Soziologie des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universit\u00e4t inne.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Kooperationsprofessur zwischen der Goethe-Universit\u00e4t und dem Sigmund-Freud-Institut hatte er, nach etlichen Jahren der Vakanz, die Nachfolge von Alfred Lorenzer angetreten. Danach verlieh er der Vermittlung von Sozialwissenschaften und Psychoanalyse sowie der tiefenhermeneutischen Forschungsperspektive eine eigene Pr\u00e4gung.<\/p>\n\n\n\n<p>Rolf Haubl verortete sich in der Frankfurter Tradition einer Verbindung von Soziologie und psychoanalytisch-sozialpsychologischer Forschung. Er verfolgte eine kritische Theorie des Subjekts, wie sie auch schon Klaus Horn am Sigmund-Freud-Institut mit etabliert hatte. In den Jahren seines Wirkens an der Goethe-Universit\u00e4t und am Institut hat er sich auch darum verdient gemacht, die psychoanalytisch-sozialpsychologische Forschung um gruppen- und organisationsanalytische Perspektiven zu erweitern. In der Gruppenanalyse war er als Lehranalytiker und Supervisor sowie als Organisationsberater t\u00e4tig. \u00dcberdies gab er die Zeitschriften \u00bbpsychosozial\u00ab, \u00bbFreie Assoziation\u00ab und \u00bbZeitschrift f\u00fcr Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik\u00ab mit heraus und fungierte als wissenschaftlicher Beirat weiterer Fachzeitschriften, etwa in den Bereichen Organisationsforschung, Supervision und Coaching.<\/p>\n\n\n\n<p>Rolf Haubl hatte zun\u00e4chst als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes Psychologie und Germanistik an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen studiert und in beiden F\u00e4chern promoviert. Danach lehrte und forschte er an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Augsburg, ab 1981 als Akademischer Rat. 1991 habilitierte er im Fach Psychologie an der Universit\u00e4t Augsburg zum Thema \u00bb\u203aUnter lauter Spiegelbildern \u2026\u2039. Zur Kulturgeschichte des Spiegels\u00ab und wurde 1997 zum au\u00dferplanm\u00e4\u00dfigen Professor f\u00fcr Psychologie ernannt. Er verantwortete dort \u00fcber viele Jahre den Studiengang Sozio\u00f6konomie.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend seiner Augsburger Zeit bearbeitete er Themenbereiche, an die er auch sp\u00e4ter, teils implizit, teils direkt, ankn\u00fcpfte. Er befasste sich beispielsweise mit der Sozial- und Kulturgeschichte der Konsumgesellschaft, mit der kommunikativen Bedeutung von Objekten der materiellen Kultur, mit der Psychodynamik von Geld und Besitz, mit \u00dcberschuldungsdynamik und Schuldnerberatung sowie mit der Mikropolitik in Organisationen. Methodologisch interessierte er sich neben gespr\u00e4chsanalytischen Verfahren f\u00fcr die Bildhermeneutik.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er den Ruf nach Frankfurt angenommen hatte, r\u00fcckten sozialisationstheoretische Forschungen sowie Studien zur kulturellen und psychischen Bedeutung der Affekte \u2013 insbesondere des Neides \u2013, aber auch Arbeiten zu Konzepten der Symbol- und Medientheorie, zur Gruppensoziologie und Ich-Identit\u00e4t sowie zu Prozessdynamiken eskalierender Gruppenkonflikte in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Rolf Haubl leitete zahlreiche Forschungsprojekte, aus denen eine Vielzahl von Publikationen hervorging. Von 2014 bis 2015 war er au\u00dferdem an der Entwicklung des Masterstudiengangs \u00bbPsychodynamisch fundierte Organisationsentwicklung\u00ab an der IPU Berlin beteiligt, der heute unter dem Namen \u00bbLeadership und Beratung\u00ab l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine zahlreichen und facettenreichen Publikationen verweisen auf die enorme intellektuelle Breite und beeindruckende Vielseitigkeit, die Rolf Haubl ausgezeichnet haben. Innerhalb seiner Schwerpunktthemen richtete er seine Aufmerksamkeit insbesondere auf die Leiden produzierenden Potenziale ungleicher und ungerechter Verh\u00e4ltnisse sowie auf die Frage, wie gesellschaftliche Strukturen psychisch wirksam werden k\u00f6nnen. Mit dieser Grundorientierung verfolgte Rolf Haubl sowohl empirische Studien als auch grundlegende konzeptionelle Fragen mit gro\u00dfer Leidenschaft. Implizit kn\u00fcpfte er dabei immer wieder an sein literaturwissenschaftliches Studium an, da er sich nicht nur f\u00fcr die Sprachgestalt der sozialen Praxis, sondern auch f\u00fcr Alltags- und Kunstformen der Narration, f\u00fcr Kunstwerke und mediale Darstellungen interessierte. Nicht zuletzt ging es ihm um eine m\u00f6glichst lebensnahe Vermittlung an Studierende, weshalb er sich in der Lehre besonders intensiv engagierte. Bei der Leitung des Sigmund-Freud-Instituts wiederum hatte er es mit etlichen Herausforderungen und Umgestaltungen zu tun, nicht zuletzt auch mit der Sanierung des Institutsgeb\u00e4udes. Die Neuer\u00f6ffnung nach dem Umzug wurde 2015, im 50-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4umsjahr des Instituts, noch in der Endphase seiner Amtszeit feierlich in der Myliusstra\u00dfe 20 begangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen interdisziplin\u00e4r ausgerichteten Forschungsans\u00e4tzen und seinem unerm\u00fcdlichen Arbeitsethos hat Rolf Haubl nicht nur wesentliche Erkenntnisse in unterschiedlichen wissenschaftlichen Feldern vorangetrieben, sondern auch weit \u00fcber den universit\u00e4ren Kontext hinaus gewirkt und durchg\u00e4ngig Transferwege zwischen Forschung und Praxis erarbeitet. Er war \u00fcberdies ein freundlicher und \u00e4u\u00dferst hilfsbereiter F\u00f6rderer junger Wissenschaftler:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Direktorium und die Mitglieder des Sigmund-Freud-Instituts und der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften trauern um einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Forscher und Hochschullehrer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Vera King, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universit\u00e4t und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts<\/em><br><br><em>Prof. Dr. Ferdinand Sutterl\u00fcty, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Instituts f\u00fcr Soziologie, Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Mai 2025 starb Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl nach langer, schwerer Krankheit. Er leitete vom 01. Dezember 2002 bis zum 29. 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