{"id":8394,"date":"2022-03-22T11:25:54","date_gmt":"2022-03-22T09:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sigmund-freud-institut.de\/?p=8394"},"modified":"2023-07-18T11:42:25","modified_gmt":"2023-07-18T09:42:25","slug":"mit-grosser-anteilnahme-nehmen-wir-abschied-von-prof-dr-henri-parens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sigmund-freud-institut.de\/index.php\/2022\/03\/22\/mit-grosser-anteilnahme-nehmen-wir-abschied-von-prof-dr-henri-parens\/","title":{"rendered":"Mit gro\u00dfer Anteilnahme nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Henri Parens"},"content":{"rendered":"\n<p>Henri Parens (1928-2022) war ein weltbekannter Kinderpsychiater und Kinderpsychoanalytiker, Professor f\u00fcr Psychiatrie am Jefferson Medical College sowie Ausbildungsanalytiker am Psychoanalytic Center in Philadelphia. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und wurde vielfach f\u00fcr seine Arbeit ausgezeichnet, unter anderem in 2019 mit dem renommierten Mary Sigourney Award f\u00fcr herausragende psychoanalytische Arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alter von zw\u00f6lf Jahren floh er mit seiner Mutter aus Belgien nach Frankreich, wo er gemeinsam mit ihr in das Konzentrationslager Rivesaltes geriet. Kurze Zeit sp\u00e4ter gelang ihm \u2013 wie er vermutete von seiner Mutter veranlasst \u2013 mit einem der letzten Kindertransporte die Flucht in die USA. Seine restliche Familie hingegen \u00fcberlebte den Holocaust nicht. Auch aufgrund seiner fr\u00fchen Erfahrungen mit dem Holocaust als ein Child-Survivor, mit dem zweiten Weltkrieg, mit Antisemitismus, Verlust und Trennung, aber auch seiner Erfahrungen mit ihn unterst\u00fctzenden Menschen entschied er sich, Kinderanalytiker zu werden. Seitdem widmete er sich den psychosozialen Bedingungen der fr\u00fchen Kindheit und ging der Frage nach, wie man sie so ver\u00e4ndert, dass destruktiv-aggressive Tendenzen bereits im fr\u00fchen Kindesalter m\u00f6glichst einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnen. Aus dem von ihm initiierten Early Child Development Program, das mit einer Studie begann, in der 16 Mutter-Kind-Paare \u00fcber 37 Jahre lang intensiv beobachtet wurden, entstand u.a. ein Textbook\/Curriculum zur fr\u00fchkindlichen Entwicklung. Dies fand in diversen Praxis- und Forschungszusammenh\u00e4ngen Verwendung: \u201eParenting for Emotional Growth\u201c (erw\u00e4hnt sei hier auch sein Buch \u201e<strong>The Development of Aggression in Early Childhood<\/strong>\u201c). Ein zentrales Anliegen war ihm, wie Menschen sich trotz widriger Umst\u00e4nde ihre Menschlichkeit bewahren k\u00f6nnen. So bestimmte das Thema Fr\u00fchpr\u00e4vention und die konstruktive Vermeidung kriegerischer Auseinandersetzungen sein Denken. Damit ist sein Anliegen nun tragischerweise aktueller denn je. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Seine reichhaltigen empirischen Erfahrungen und theoretischen \u00dcberlegungen lie\u00df er auch dem Sigmund-Freud-Institut, als einer der Projektconsultants insbesondere f\u00fcr die Konzeption des Fr\u00fchpr\u00e4ventionsprojekts \u201eErste Schritte\u201c f\u00fcr Kinder mit Migrationshintergrund, zugutekommen. \u00dcber Jahre war er dem Sigmund-Freud-Institut in diversen Kontexten als Berater und Mentor verbunden. So lie\u00df er u.a. auch auf mehreren von SFI ausgerichteten Joseph Sandler Research Conferences an seinem reichhaltigen Wissen teilhaben. F\u00fcr seine Unterst\u00fctzung m\u00f6chten wir Henri Parens unsere gro\u00dfe Anerkennung und unseren tiefen Dank aussprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Parens&#8216; Autobiografie schlie\u00dflich (\u201eHeilen nach dem Holocaust. Erinnerungen eines Psychoanalytikers\u201c), die er, weil dies zuvor zu schmerzlich f\u00fcr ihn war, erst in sp\u00e4teren Lebensjahren verfasste, ist nicht nur ein zutiefst pers\u00f6nlicher Zeitzeugenbericht, sondern auch ein Pl\u00e4doyer gegen Diskriminierung jeglicher Art, gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden ihn stets in besonderer Erinnerung behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitarbeitenden des Sigmund Freud Instituts<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henri Parens (1928-2022) war ein weltbekannter Kinderpsychiater und Kinderpsychoanalytiker, Professor f\u00fcr Psychiatrie am Jefferson Medical College sowie Ausbildungsanalytiker am Psychoanalytic Center in Philadelphia. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und wurde vielfach f\u00fcr seine Arbeit ausgezeichnet, unter anderem in 2019 mit dem renommierten Mary Sigourney Award f\u00fcr herausragende psychoanalytische Arbeiten. 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